Montag, 12. Januar 2015

Heilsgewissheit à la Calvinismus

Auf der Facebook-Seite der Grace Evangelical Society berichtete Shawn C. Lazar kürzlich von folgendem Gespräch, das er mit einem Calvinisten hatte (deutsche Übertragung von mir).
Shawn: Wie geht’s dir so? Ich habe gehört, du bist Calvinist geworden?
Freund: Ja, das stimmt!
Shawn: Drei Punkte? Vier Punkte?
Freund: Nein, alle fünf Punkte. Ich bin überzeugter Fünf-Punkte-Calvinist. Ich bin ein großer Fan von John Piper. Toller Bursche. Er hat mir wirklich weitergeholfen.
Shawn: Hm, ich weiß ja nicht, wie es bei dir aussieht, aber viele Calvinisten, denen ich begegne, leben mit Zweifeln und sind sich nicht sicher, ob sie erwählt sind oder ob Gott sie liebt. Erst neulich habe ich ein Interview mit einem reformierten Professor gemacht, der sich darüber beklagte, dass das ein großes Problem in calvinistischen Kreisen sei. Grassierende Zweifel.
Freund: Oh ja, damit habe ich auch zu tun.
Shawn: Was? Du hast damit zu tun?
Freund: Ja.
Shawn: Du bist nicht sicher, ob du gerettet bist?
Freund: Ich war es mal. Aber jetzt weiß ich es nicht mehr.
Shawn: Warum nicht?
Freund: Ich weiß nicht, ob ich zu den Erwählten gehöre oder nicht. Ich kann es nicht sagen.
Shawn: Warum kannst du das nicht sagen?
Freund: Ich glaube nicht, dass ich es in meinem Leben sehe.
Shawn: Die Früchte der Erwählung? Gute Werke und so weiter?
Freund: Ja, ich glaube einfach nicht, dass ich so gut bin.
Shawn: Das muss ein schreckliches Gefühl sein.
Freund: Ist es auch. Ist es auch.
Shawn: Glaubst du nicht, was Jesus in Johannes 3,16 verheißen hat? Dass jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat und nicht verloren geht?
Freund: Schon, aber woher weiß ich, ob ich wirklich glaube?
Shawn: Was heißt denn »wirklich glauben«?
Freund: Du weißt schon. Wenn man etwas wirklich glaubt.
Shawn: Nein, das weiß ich nicht. Soweit ich weiß, glaubt man entweder, dass etwas wahr ist, oder man glaubt es nicht.
Freund: Na ja, man darf die Sache nicht einfach nur mit dem Kopf glauben. Das genügt nicht. Man muss es wirklich glauben. Mit dem Herzen und so.
Shawn: Was ist dieses »wirklich glauben« denn nun genau? Glaube plus … ein Gefühl? eine Erfahrung? Oder was?
Freund: Ich weiß es nicht. Vielleicht. Es ist mehr, als nur etwas zu denken. Man fühlt es und lebt es … oder so.
Shawn: Also heißt »wirklich glauben« Glaube plus gute Werke tun?
Freund: Irgendwie schon.
Shawn: Sind wir nicht durch Glauben gerettet, ohne Werke?
Freund: Na ja, schon. Also vielleicht keine Werke. Aber es ist mehr als nur geistige Zustimmung.
Shawn: Du »glaubst« also Johannes 3,16, aber du weißt nicht, ob du es »wirklich glaubst«?
Freund: Genau. Weil nur die Erwählten es wirklich glauben. Ich könnte ein Verworfener sein, der nur meint, dass er glaubt. Denn wer weiß, ob ich nicht noch abfalle.
Shawn: Warte mal einen Moment. Du willst also damit sagen, Johannes 3,16 gilt für manche Leute, aber du bist nicht sicher, ob es für dich gilt?
Freund: Genau. Es gilt für die Erwählten, weil die es wirklich glauben. Gott gibt ihnen den Glauben dafür. Aber ich weiß nicht, ob ich es wirklich glaube.
Shawn: Du bist also nicht sicher, ob du diesen besonderen Glauben hast. Mit anderen Worten, du hast kein Vertrauen zu deinem Glauben? Du weißt nicht, ob dein Glaube echt ist oder nicht?
Freund: Ja, ich denke, das ist ein Teil davon.
Lektion: Der Calvinismus lässt dein Denken in einem wirren Durcheinander von Zweifeln zurück.
PS: Dass es sich hier nicht um einen isolierten Einzelfall handelt, macht auch dieses bemerkenswerte Geständnis aus einem reformierten Forum deutlich.

1 Kommentar:

  1. Oh, hier ist schon lange nichts mehr geschrieben worden. Ich lese doch Ihre Artikel so gerne. LG und Gottes reichen Segen!

    AntwortenLöschen