Samstag, 17. August 2013

Anleitung zur Lordship-Evangelisation

Unter dem Titel Was Du im Himmel nicht mehr tun kannst erschien kürzlich im Daniel-Verlag eine deutsche Übersetzung des amerikanischen Bestsellers One Thing You Can’t Do in Heaven von Mark Cahill (original 2002). Das Buch ist ein Appell zum Evangelisieren und zugleich eine Anleitung dazu. In 14 Kapiteln werden, illustriert durch zahlreiche Geschichten und Anekdoten aus dem Leben des Autors, Gründe, Möglichkeiten und Methoden der Evangelisation aufgezeigt und Einwände gegen den Glauben widerlegt.

Leider ist das Evangelium, das Cahill verkündigt, von »Lordship«-Elementen geprägt. Am deutlichsten wird dies am Ende von Kapitel 8 in einem Abschnitt mit der verdächtigen Überschrift »Lebensübergabe«. Den einleitenden Sätzen kann man durchaus noch zustimmen:
Bitte sei dir bewusst, dass Menschen nicht Christen werden, indem sie Jesus bitten, »in ihr Herz zu kommen«, oder indem sie eine Entscheidungskarte unterschreiben. Jesus sagte, dass wir von neuem geboren werden müssen (Johannes 3,3). Johannes 3,16 macht uns auch klar, dass wir an Jesus glauben müssen. Aber Glaube ist viel mehr als die Anerkennung von Fakten. Es ist ein Überzeugtsein, indem man vollständig auf etwas vertraut. Es ist mehr, als nur die Lippen zu gebrauchen; auch dein Herz muss beteiligt sein. (S. 133)
Aus Röm 10,9 wird dann aber folgender Schluss gezogen:
Wir bekennen nicht nur einfach, dass wir nicht in die Hölle, sondern in den Himmel möchten; wir bekennen, dass Jesus Herr ist! Gott möchte eine völlige Hingabe unseres ganzen Seins. Ich frage Menschen gern, ob sie ihr Leben Jesus übergeben möchten, und damit meine ich, dass sie Ihm die vollständige Herrschaft über ihr Leben geben. (S. 133)
Das ist die Kernidee von »Lordship Salvation«: Der Glaube allein genügt nicht zur Errettung, sondern der Sünder muss sogleich auch versprechen, sein Leben vollständig Jesu Herrschaft zu unterwerfen. Tatsächlich kann diese Entscheidung nur ein Gläubiger treffen, in dem Gottes Geist bereits wohnt – sie gehört zur Heiligung, nicht zur Rechtfertigung.

Wie sich Cahill eine Bekehrung konkret vorstellt, zeigt das abschließende, fast eine ganze Seite lange Übergabegebet. Der Sünder soll sich nicht nur als Sünder erkennen und das Erlösungswerk von Golgatha glaubend in Anspruch nehmen, sondern im selben Atemzug auch noch folgendes Gelübde ablegen:
Ich möchte nicht länger für mich leben. Ich gebe Dir meinen Körper, meine Seele und meinen Geist als ein lebendiges Opfer, um Dir zu dienen, damit Dein Reich gefördert wird. Ich möchte täglich in Deinem Wort lesen und dem Gelesenen gehorchen. (S. 219)
So kann nur jemand sprechen, der sich bereits auf dem Weg des Glaubens und der Nachfolge befindet; selbst die gläubigen Römer mussten noch dazu ermahnt werden (Röm 12,1f.). Bei Cahill handelt es sich jedoch offensichtlich um eine Voraussetzung zur Errettung.

Auf weitere Schwächen des Buches, insbesondere dogmatischer und exegetischer Art, macht Stephan Isenberg in seiner ausführlichen Rezension aufmerksam.

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