Sonntag, 30. Juni 2013

Nichts Besseres zu tun?

Die CLV-Zeitschrift fest und treu, sonst nicht gerade für ihren zimperlichen Umgang mit andersdenkenden Christen bekannt, bringt in ihrer neuesten Ausgabe einen erstaunlich friedfertigen, ja toleranten Artikel von Schriftleiter Wolfgang Bühne. Unter der Überschrift »Eine Prise Salz und ein Topf voll Frieden« warnt er hier vor einem »fleischlichen Einsatz der Wahrheit«:
Bestimmte Seiten im Internet sind voll mit gesalzenen Urteilen über Geschwister, die eine andere Seite der »Wahrheit« betonen oder vertreten[,] und es wird nicht an gepfefferten Ausdrücken gespart, die man in der Kommunikation unter Christen ganz sicher nicht vermuten würde. […] Nur selten suchen die Kontrahenten die Begegnung und das Gespräch. Oft benutzen sie die Medien, um im Schreibtisch-Sessel sitzend die Klingen zu kreuzen.
Eines seiner Beispiele (neben Calvinismus vs. Arminianismus und »missionalen« oder »emergenten« Lehren und Praktiken):
Da macht man »Lordship-Salvation« oder »Freie Gnade« zum Streit-Thema, als hätten wir nichts Besseres zu tun.
Mache ich mit diesem Blog »Lordship Salvation« zu einem »Streit-Thema«? Vielleicht, aber »gepfefferte Ausdrücke, die man in der Kommunikation unter Christen ganz sicher nicht vermuten würde«, müsste man mir erst noch nachweisen (da würde man auf anderen, Wolfgang Bühne näherstehenden Internetseiten viel eher fündig). Was mich allerdings überrascht, ist die Tatsache, dass dieses Beispiel ausgerechnet von einem Bruder angeführt wird, der mit »seinem« Verlag maßgeblich dazu beigetragen hat, »Lordship Salvation« in Deutschland zu etablieren (John MacArthur: Lampen ohne Öl, CLV 1997). Ich kann daraus nur zwei mögliche Schlüsse ziehen: Entweder ärgert es ihn, dass »Lordship Salvation« überhaupt auf Widerstand gestoßen ist und stößt, oder ihm ist die Tragweite der Auseinandersetzung tatsächlich nicht bewusst. Letzteres möchte man kaum glauben, aber nachdem ein Mitarbeiter der Christlichen Verlagsgesellschaft auf meine Anregung, Charles Ryries »Free-Grace«-Buch Hauptsache gerettet? (1998) neu aufzulegen, ebenso verständnislos reagierte, erscheint es mir nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es geht hier um nichts weniger als um den Inhalt des Evangeliums – werden wir allein aus Gnade durch Glauben gerettet, oder müssen wir selbst durch unsere Hingabe, unsere Unterwerfung, unseren Gehorsam, unsere Nachfolge, unsere Heiligung, unser Ausharren etwas dazu beitragen? Charles Ryrie schreibt:
Die Wichtigkeit dieser Frage kann nicht überschätzt werden, sowohl in Bezug auf die Errettung als auch in Bezug auf die Heiligung. Die Botschaft, nur zu glauben, und die Botschaft, zu glauben und das Leben der Herrschaft Jesu zu unterstellen, können nicht beide das Evangelium zur Errettung sein. Daher ist eins von beiden ein falsches Evangelium und steht unter dem Fluch, das Evangelium zu verdrehen oder ein anderes Evangelium zu predigen (Gal 6,1–9), und das ist eine sehr ernste Angelegenheit. (Ausgewogen statt abgehoben. Der Weg zu einem echten geistlichen Leben, Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2007, S. 221)

Kommentare:

  1. Mich verwundert sehr, dass W. Bühne diese Zeilen schreibt, aber noch mehr verwundert es mich schon seit langem, dass er die Bücher von Piper etc. herausgeben kann. Man denke nur an Pipers - im besten Fall als "merkwürdig" zu bezeichnenden - Tweet "Adonai and Allah" (https://twitter.com/JohnPiper/status/159953341177282560.

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    1. Das ist in der Tat merkwürdig - hat das die Piper-Fangemeinde überhaupt schon zur Kenntnis genommen?

      Auf der anderen Seite finde ich, dass die Frage, ob der christliche und der islamische Gott identisch sind, oft etwas zu schnell vom Tisch gefegt wird mit Sätzen wie: "Allah hat keinen Sohn, also kann er nicht der gleiche Gott sein." Nach derselben Logik müsste der jüdische Gott nämlich auch ein anderer Gott sein, denn die Juden halten Jesus Christus ebenfalls nicht für Gottes Sohn.

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    2. Die Piper-Fangemeinde hat diesen Tweet sehr wohl zur Kenntnis genommen, aber ausfühlich diskutiert & kritisiert wurde er natürlich von anderen. Sie wissen doch, wie das ist: Echte Fans "christlicher Ideole" lassen sich durch so etwas doch nicht erschüttern ;-) Das Ganze wurde mit einem Hinweis auf einen früheren, biblisch korrekten Artikel Pipers bzgl. der Unterschiede zwischen Islam und Christentum geglättet und die Nachfolge (gemäß Apg 20,30) ging weiter. Genauso wurden die Zusammenarbeit zwischen Piper und Warren und viele andere Ungereimtheiten "vom Tisch gewischt" ...

      Was Ihren Hinweis bzgl. der jüdischen Ablehnung der Gottessohnschaft Christi betrifft, sollten Sie bedenken, dass der Koran - und damit nach muslimischen Verständnis Allah - die Gottessohnschaft Christi eindeutig ablehnt. Im Alten Testament findet sich keine solche explizite Ablehnung. Hier gibt es sogar Hinweise, die das christliche Verständnis der Gottessohnschaft unterstützen. Der entscheidende Unterschied findet sich also nicht in dem, was die Anhänger der jeweiligen Religion glauben oder sagen, sondern in der (dogamtischen) Aussage der jeweiligen Heiligen Schrift. Auf diesem Hintergrund hat die von Ihnen kritisierte Aussage ihre Berechtigung und auch Bestand.

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  2. Danke, daß Sie nichts Besseres zu tun ;-) ... Bitte weiter so!!

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