Mittwoch, 9. Januar 2013

Kostprobe aus der »VdH-Bibel«

Können Gläubige verloren gehen? Auf diese Frage hat nur die Free-Grace-Theologie eine Antwort, die der Gnade Gottes wirklich gerecht wird und die Falle der Werkgerechtigkeit vermeidet, in die sowohl Arminianismus als auch Calvinismus hier tappen: Während der Arminianismus lehrt, dass Gläubige, die nicht ihrer christlichen Berufung entsprechend leben, das Heil wieder verlieren, behauptet der Calvinismus kurzerhand, dass solche das Heil nie besessen haben – was in der Praxis auf dasselbe hinausläuft, nämlich dass nicht die Gnade allein uns rettet, sondern auch (oder vor allem) unser eigenes Bemühen. Der Apostel Paulus erklärt demgegenüber: »Ist aber die Gnade ausschlaggebend, dann können keine Werke dabei in Frage kommen. Sonst wäre ja die Gnade keine Gnade mehr« (Röm 11,6; ALB).

Zu welchen Umdeutungen klarer Bibelstellen die Vertreter der »Verlierbarkeit des Heils« ihre Zuflucht nehmen müssen, macht die folgende Satire deutlich, die ich aus dem Blog der Grace Evangelical Society übersetzt habe. Zwei arminianische Theologen (im Original »Rev. Arnie Minius« und »Professor Fred Fallaway«) wollen die Bibel in ihrem Sinne revidieren und erstellen die »Badly Revised Version (BRV)«.
Pastor Arne Minius: So, machen wir weiter mit unserer Bibelrevision.
Professor Alfred Abfall: Ja, man kann heutzutage nicht vorsichtig genug sein! Besonders vor diesen ganzen unrealistischen Verheißungen von Jesus müssen wir uns in Acht nehmen. Die Leute könnten völlig falsche Vorstellungen bekommen! Also, wo waren wir?
Pastor Minius: In Johannes 10,27ff., wo Jesus sagt: »Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.«
Prof. Abfall: Das kann nicht stimmen. Heißt es wirklich: »Sie gehen nicht verloren in Ewigkeit?«
Pastor Minius: Ja, »sie gehen nicht verloren in Ewigkeit«.
Prof. Abfall: Und es heißt: »Niemand wird sie aus meiner Hand rauben«?
Pastor Minius: Ja.
Prof. Abfall: Das muss ein Druckfehler sein. Das muss geändert werden.
Pastor Minius: Warum?
Prof. Abfall: Nun, offensichtlich kann sich der Gläubige doch selbst aus der Hand Jesu reißen, oder?
Pastor Minius: Wie denn?
Prof. Abfall: Na, indem er aufhört, an ihn zu glauben. Oder indem er eine todeswürdige Sünde begeht oder in der Sünde lebt, ohne Buße zu tun. Wenn man das tut, ist man nicht mehr in seiner Hand.
Pastor Minius: Ja, da hast du wohl recht.
Prof. Abfall: Der Vers sollte also besser lauten: »und niemand wird sie aus meiner Hand rauben – außer dem Gläubigen selbst. Er kann sich losreißen.«
Pastor Minius: Aber eigentlich ist es doch nicht nur der Gläubige selbst, der sich losreißen kann. Kann nicht jeder einen Christen dazu bringen, den Glauben aufzugeben oder irgendeine schreckliche Sünde zu begehen?
Prof. Abfall: Stimmt, das passiert ständig. Viele Leute verlieren ihren Glauben wegen irgendetwas, das sie gelesen oder gehört haben. Eine Menge meiner Studenten hat diese Erfahrung gemacht.
Pastor Minius: Und auch viele aus meiner Gemeinde ... Es wäre also besser zu sagen: »und jeder kann sie aus meiner Hand rauben«. Deshalb denke ich übrigens auch, dass diese Sache mit dem »nicht verloren gehen in Ewigkeit« höchst irreführend, wenn nicht gar falsch ist.
Prof. Abfall: Hm, wie können wir es verbessern?
Pastor Minius: Es sollte heißen: »sie gehen wahrscheinlich nicht verloren, aber das kann niemand sicher wissen
Prof. Abfall: Nein, »wahrscheinlich« ist noch zu optimistisch. Schließlich hat Jesus an anderer Stelle gesagt, dass nur wenige gerettet werden. Wir sollten sagen: »sie können durchaus verloren gehen ...«
Pastor Minius: Ja, das klingt besser. Und wenn wir schon dabei sind, sollten wir uns auch die Sache mit der »Hand meines Vaters« und seinem »Größer-Sein« nochmal anschauen.
Prof. Abfall: Richtig, schließlich kann jeder sie auch aus der Hand des Vaters rauben. Natürlich ist er »groß«, aber er ist nicht größer als die Entscheidung des Einzelnen, den Glauben aufzugeben oder aktiv zu sündigen. Und er ist auch nicht größer als jeder, der einen Christen dazu bringen kann, eins von diesen Dingen zu tun.
Pastor Minius: Genau. Also sagen wir so: »Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist nicht größer als alle, denn jeder kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.«
Prof. Abfall: Perfekt! Das macht wesentlich mehr Sinn. Also, ich fasse nochmal zusammen, was Jesus eigentlich hätte sagen sollen: »Meine Schafe hören meine Stimme ... und ich gebe ihnen ewiges Leben, aber sie können durchaus verloren gehen, das kann niemand sicher wissen, denn jeder kann sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist nicht größer als alle, denn jeder kann sie auch aus der Hand meines Vaters rauben.«
Pastor Minius: Großartig, schick das sofort zur Druckerei, und dann erzählen wir es der Gemeinde!
Prof. Abfall: Ach, du hast noch eine Gemeinde?

Kommentare:

  1. Mich stört bei beiden Seiten die Unausgewogenheit. Meiner Meinung nach fallen die VdH und UdH Fraktionen auf ihrer jeweiligen Seite vom Pferd. Auch diese Blog finde ich sehr unausgewogen. Mich hat folgendes Buch überzeugt, dass die biblische Spannung in diesem Themenfeld einhält:http://www.cbuch.de/Schreiner-Caneday-Mit-Ausharren-laufen-p2804/
    Gruß, Asaph

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  2. Ich bin für "konsequente gnade" und die kann nur unausgewogen sein.

    Ist diese Seite eine "Free Grace"-Seite?:

    http://konsequentegnade.wordpress.com

    Zumindestens wenn es um das ewige Heil geht?

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    1. Scheint eine noch radikalere Spielart davon zu sein, auch als "Exchanged Life Theology" bekannt.

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    2. Wenn das so sein sollte, fehlt aber der Triumphalismus des "siegreichen Lebens". Erkennbar etwa an diesem Artikel:

      http://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/alle-christen-sind-nachfolger-jesu/

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  3. Das ist keine Frage von Ausgewogenheit, sondern von Logik. Und die Logik sagt nun mal klar "entweder gerettet aus Gnade oder nicht".

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  4. Die Frage ist doch, ob es biblisch ist. Und da ist meine Meinung, dass die Bibel uns davor warnt, abzufallen und gleichzeitig unsere Sicherheit formuliert. Ohne jetzt groß ausholen zu wollen, weise ich erneut auf das schon oben von mir empfohlene Buch hin.
    Gruß, Asaph

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  5. Wenn die Bibel keine logisch widerspruchsfreien Aussagen macht, können wir es sowieso vergessen.

    "Biblisch" scheint mir in DIESEM Falle ein anderes Wort für "unlogisch" zu sein ;-)

    Siehe auch die treffende Rezension des oben genannten Buches http://freiegnade.blogspot.de/2013/02/zuck-uber-mit-ausharren-laufen.html (Danke für die Mühe!)

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  6. "Wenn die Bibel keine logisch widerspruchsfreien Aussagen macht, können wir es sowieso vergessen."
    Wenn es so ist, bleibt letztendlich keine andere Wahl - dann muss man "es vergessen". - Aber die Bibel ist deutlich komplexer als wir Menschen fassen können. Übrigens ist eine Spannung in der Bibel nicht unnatürlich (Vgl. u. a. die Dialektik zwischen Erwählung und Verantwortung). Deswegen ist meiner Meinung nach die "freie Gnade" eine Umbiegung der entsprechenden Bibelstellen, während Schreiner & Co. der Sache doch schon deutlich näher kommen!
    Ps. Dialektische Zusammenhänge gibt es auch in der "außerbiblischen Welt"; nicht alles ist dem aristoteleschen Prinzip unterworfen. Das würde die Wirklichkeit der Welt nicht komplett beschreiben können!

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    1. Zwischen Erwählung und Verantwortung gibt es in der Tat eine Spannung, die wir Menschen aber nicht auflösen müssen: Unsere Seite ist allein die Verantwortung, dem Evangelium zu glauben, aber über die Erwählung brauchen wir uns nicht den Kopf zu zerbrechen – das ist Gottes Sache. Die Frage der Verlierbarkeit des Heils betrifft uns jedoch existenziell; wenn es hier keine Gewissheit gibt, sondern nur einander widersprechende Botschaften, können wir auch keine "Ruhe" (Mt 11,29) und keinen "Frieden" (Phil 4,7) finden.

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  7. "Dialektik", "Spannung" und "komplex" sind in DIESEM Zusammenhang einfach nur hübschere Wörter für "logisch widersprüchlich".

    Die "Dialektik" von Gesetz und Gnade entsteht nur da, wo man versucht, die Geltung des Gesetzes aufrecht zu erhalten (entgegen klarer biblischer Aussagen!).

    Die "Dialektik" von Werken und Erlösung entsteht nur da, wo man Gesetzeswerke und Glaubenswerke bzw. Frucht(wie bei der Auslegung von Jakobus) durcheinander bringt. Denn Glaubenswerke bzw. Frucht hat JEDER Christ, egal, wie unscheinbar sie aussehen mögen.

    ... und ja, Dialektik gibt es in der realen Welt. Die hat aber nichts mit logischen, sondern mit realen Widersprüchen zu tun (die mit Macht nach Auflösung verlangen!)

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