Sonntag, 30. Dezember 2012

Chafer über Heilssicherheit

Kapitel X von Chafers Buch Unser Heil, in der deutschen Übersetzung etwas ungenau mit »Die ewige Gewißheit des Glaubenden« überschrieben, befasst sich mit der Frage nach der Sicherheit des Heils (eternal security): Können Gläubige wieder verloren gehen? Nach Chafer ist diese Frage von großer praktischer Bedeutung:
Die Lösung dieser Frage bildet den Grund zur persönlichen Ruhe und zum innern Frieden und muß ja jeden Christendienst kennzeichnen. Niemand kann wirklich zur Ruhe kommen, so lange die Schatten der ewigen Verdammnis über ihm schweben. Es kann aber auch einer in seinem Dienen nicht wirklich vollwertig sein, solange er mit der übermenschlichen Anstrengung belastet ist, sich »in der neuen Schöpfung zu erhalten«. (S. 112)
Chafer behandelt dann etwa 25 Bibelstellen, die angeblich die »Unsicherheit des Heils« lehren, seiner Überzeugung nach aber falsch ausgelegt werden:
Durch diese irrige Auslegung geraten diese Schriftstellen in direkten Gegensatz zu einem viel größeren Teil der Heiligen Schrift, in dem die unbedingte Heilssicherheit zugesagt ist. Dadurch, daß der ganze in Frage kommende Abschnitt gründlich untersucht wird, kann die irrige Auslegung meistens leicht entdeckt werden. Einige der in Frage kommenden Stellen, das mag vorweg gesagt sein, sind immer als besonders schwierig angesehen worden, was auch aus den verschiedenartigen Auslegungen hervorgeht. Diese Tatsache darf aber nicht zu dem Schluße verleiten, daß die Schrift selber zur Lehre von der Heilsunsicherheit Anlaß gebe, eben wegen dieser schwerverständlichen Stellen. Die verschiedenen Ausführungen und Auslegungen, die von guten Auslegern gegeben werden, führen keineswegs zu Lehren, die dem gesamten Ratschluß Gottes fernliegen würden. Gott möge es verhüten, daß irgend ein Versuch gewagt werden sollte, der zu einer »Harmonisierung des Wortes Gottes« führen wollte. Die Schrift in ihrer Gesamtheit ergibt ein übereinstimmendes Zeugnis. Es liegt nur an uns, daß wir auch recht verstehen lernen, was alles es uns lehrt. Es geht darum eben nicht an, das klare Zeugnis der Schrift, das mit dem »wahrlich, wahrlich« gekennzeichnet ist, mit einem »wenn« zu diskreditieren. (S. 114)
Die Kommentierung der betreffenden Bibelstellen erstreckt sich über 14 Seiten und kann hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden (zumal dazu auch bereits ausreichend Literatur in deutscher Sprache verfügbar ist). Abschließend wendet sich Chafer einigen oft gestellten »Zweifelsfragen« zu und beantwortet sie knapp. Drei davon seien hier zitiert (Fettdruck hinzugefügt):
b) Wie steht es, wenn ein Christ stirbt, ohne ein volles Bekenntnis seiner Sünde?
Es ist überhaupt ganz unmöglich, daß irgend ein Glaubender jede einzelne seiner Sünden kennt, sich ihrer entsinnt, daher vermag er sie ja auch nicht zu bekennen. Bekennen heißt ja, ihm, dem Herrn sagen, und das kann vielleicht besser in seiner gnädigen Gegenwart als zu irgend einer andern Zeit geschehen. Es wäre ja eine Unmöglichkeit, daß irgend jemand Sein Angesicht sehen könnte, wenn ein vollkommenes Bekenntnis oder eine sündlose Vollkommenheit die Voraussetzung wäre, in seine gnädige Gegenwart zu gelangen. Diese Frage wächst heraus aus einem ganz und gar unfertigen Verständnis des vollendeten Werkes Christi. Christus ist doch gestorben aus dem Grunde, damit die Sünde uns nicht mehr von Gott fern halten könne. (S. 129)
c) Gibt die Lehre von der Heilssicherheit den Leuten nicht die Freiheit zur Sünde?
Biblisch gesprochen: Nein; erfahrungsmäßig: Nein. Es kann keinen stärkeren Ansporn zu einem Gott geheiligten Leben geben als das Wissen um die in Jesus Christus gegebene eigene, ewige Stellung vor Gott. Das ist ja auch, nach der Bibel, Gottes machtvollste Aufforderung zu einem wahrhaft christlichen Leben. Auf die Frage: »Wollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade noch größer werde?« (Röm. 6,1.2) würde der Mensch, der noch nicht wiedergeboren ist, antworten: »Ja«; das wäre natürlicherweise die Stimme der gefallenen Schöpfung. Aber der Wiedergeborene wird antworten: »Das sei ferne!« Wer dafür hält, daß die Lehre von der Sicherheit des Heils die Leute zum Sündigen verleite, übersieht völlig die herrliche Offenbarung, die uns über die Stellung der Gläubigen und die Wirkung derselben auf das Leben gegeben ist. Es heißt auch, die Tatsache des neuen Lebens, das jedem Gotteskinde gegeben ist, sowie die neue Einstellung zu den Aufgaben dieses jetzigen Lebens und den daraus sich ergebenden Tendenzen völlig verkennen. Es heißt aber auch, die von Gott gegebene Kraft zum neuen Leben verkennen, »denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als das Vollbringen wirkt, um seines Wohlgefallens willen« (Phil. 2,13). Es wird dadurch überhaupt jede Offenbarung über das Handeln Gottes an seinen Kindern in Zweifel gezogen.
Die Erfahrung zeigt, daß kein Mensch, der wirklich wiedergeboren ist, auf einem niedrigeren Niveau gelebt habe als demjenigen, auf dem er lebte, ehe er zum Heil kam, und wenige nur sind es, die Gottes Gabe mißbrauchten. Eine bloß scheinbare Wiedergeburt oder Erneuerung mag einen noch schlimmeren Stand als den vorausgehenden zur Folge haben (Luk. 11,24–26). Wo jedoch den Menschen die übermenschlichen Anforderungen aufgedrängt werden, aus sich selbst heraus sich »in Christus« zu bewähren, werden sie völlig entmutigt, nur den Versuch zu wagen, ein wahrhaft christliches Leben zu führen[,] und dahin gedrängt, wo sie die göttlichen Aufforderungen überhaupt gering achten. Solche Menschen müssen immer wieder von ihren Rückfällen bewahrt werden. (S. 129–131)
e) Warum dann das Versagen von so vielen Bekehrten?
Kein Mensch ist wirklich im Stande, den andern zu richten; doch scheint klar, daß »Bekehrte«, die versagen, entweder irregeleitete »Bekenner« sind, die »von uns ausgegangen sind, aber sie gehören nicht zu uns« (I. Joh. 2,19), oder sie sind gerettet, aber vielleicht schlecht belehrt oder so seelsorgerlich vernachlässigt, daß sie völlig verwirrt sind und »in der Finsternis wandeln« (I. Joh. 1,6).
Bekehrung ist ja nur die menschliche Tat der Umkehr. Das kann aber mehr als nur einmal geschehen, und selbst ein Glaubender mag »bekehrt« werden (Luk. 22,32). Wiedergeboren sein ist eine ganz andere Erfahrung. Da gibt es keine Wiederholung und es ist auch kein Grund zu einer solchen vorhanden. Von Bekehrten gewisser neuer Erweckungsbewegungen, die nichts anderes zu hören bekamen als die Aufforderung zur »Erneuerung« und eine allgemein gehaltene Ermahnung religiös zu sein, kann natürlich nicht erwartet werden, daß sie im selben Maße unter der gnädigen Führung Gottes stehen wie derjenige, der durch Jesus Christus zu Gott kam und der sein Vertrauen restlos auf die rettende Gnade Gottes setzt, wie er sie in seinem Sohne offenbart hat. (S. 132)

1 Kommentar:

  1. "daß »Bekehrte«, die versagen, entweder irregeleitete »Bekenner« sind, die »von uns ausgegangen sind, aber sie gehören nicht zu uns«"
    -> aber das ist doch das gleiche wie die Lordship Salvation-Leute auch sagen???

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