Freitag, 28. Dezember 2012

Chafer über Dienst und Belohnung

Kapitel IX von Chafers Buch Unser Heil behandelt das Thema »Die Belohnung, oder der Ort für die christlichen Werke«. Chafer betont zunächst, dass gute Werke keine »Rückzahlung« für die empfangene Gnade seien:
Der göttliche Heilsplan der freien Gnade bedeutet die Rettung der Menschen »ohne Geld und ohne Gut«. Das meint ja nichts anderes, als daß es hier eben keinen Handel gibt. Der Mensch empfängt alles, was er besitzt, als Geschenk und nur als Geschenk. Das bedeutet, daß er keine Nachzahlung gibt etwa nach dem »Abzahlungssystem« so, als ob der Versuch, ein korrektes Leben zu führen, dieses Werk der Gnade qualifizieren würde oder zur Voraussetzung hätte. Was immer Gott für den Menschen tut, ist lauter Gnade. Er läßt es auch nicht zu, daß sein Geschenk mit dem Versuch verwechselt wird, Ihm etwas dafür zurückzuzahlen. (S. 101)
Gott habe uns zwar auch gerettet, damit wir gute Werke tun (Eph 2,10), aber das sei
wohl der geringste aller Beweggründe. Und doch ist es oft das einzige Motiv, das genannt wird. »Wir sind gerettet worden[,] um zu dienen«, ist die Ansicht, die sehr oft zum Ausdruck kommt. Wenn diese Art der Motivierung von Gottes Heilswirken für sich allein genommen würde, dann stünde der Vater im Himmel da als einer, der nur unseren Dienst sucht. (S. 102)
Der »tiefste Beweggrund der rettenden Gnade Gottes« sei aber ein anderer:
Gott hat uns gerettet, »um in den kommenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch Gütigkeit gegen uns in Christus Jesus zu erweisen« (Eph. 2,7). Das Resultat dieser »Güte gegen uns« wird, so werden wir sehen, die letzte Form sein, in der wir in der Herrlichkeit erscheinen werden, wenn »wir gleichgestaltet sind dem Bilde seines Sohnes« (Röm. 8,29). Jede Kreatur der ganzen Schöpfung wird wissen, was wir einst waren[,] und wird den Anblick dessen haben, was wir in jener letzten, ewigen Herrlichkeit sind. Diese Umwandlung ist das Maß der Gnade, das uns Gott zugemessen hat[,] und zwar auf einer Basis, die ihn selbst völlig befriedigt. Dadurch hat er eine Schau seiner Gnade vor aller Kreatur gegeben, die ihm selbst zur größten Freude gereicht. Daraus erwächst nun der Schluß, daß Gott nur durch seine Liebe getrieben wurde, für uns so zu handeln[,] und nicht, weil er irgend etwas für sich gewinnen möchte. (S. 102f.)
Eben deshalb verbiete sich jeder Gedanke an eine Gegenleistung:
Es geht nicht an, auch nur den Versuch zu wagen, all das wieder zu begleichen, was er an uns getan hat. Der Empfänger würdigt ein Geschenk gering, wenn er auch den leisesten Gedanken an Bezahlung hegt. Und doch, wie oft kommt das törichte Menschenherz dazu, Zahlungsvorschläge für das Erbarmen Gottes zu machen! Worte wie die folgenden werden Christus in den Mund gelegt: Ich gab mein Leben für dich, was aber gibst du für mich? Die Frage: was gibst du für mich? mag uns ja alle angehen; aber es darf niemals so gemeint sein, als ob Gott uns um einer alten Schuld willen beständig in den Ohren liegen würde. (S. 103)
Es gehe nicht um Schuldigkeit, sondern:
Der einzige wahre Beweggrund für ein christliches Leben und Dienen ist derjenige, durch den sich Gott selbst hat treiben lassen, uns zu dienen. Es ist die Liebe. […] Er wird jeden treuen Dienst belohnen, aber er wird den Dienst als solchen nicht als ein Muß verlangen. Seine Anerkennung des christlichen Dienens ist nichts anderes als eine neue Offenbarung seiner wunderbaren Gnade. (S. 103f.)
Über die Belohnung selbst schreibt Chafer nur recht wenig:
Es werden da Belohnungen sein, Kronen und Szepter. Niemand kann sie beschreiben. Sie sprechen deutlich davon, wie Gott unsere kleinen Leiden um seinetwillen und unsere Treue zu ihm einschätzt. Diese Belohnungen werden unaussprechlich kostbar sein, und sie werden uns in alle Ewigkeit erhalten bleiben. Das Heil ist keine Belohnung für unser Dienen. Es ist Gottes Werk für uns. Belohnungen jedoch stehen immer im Zusammenhang mit der Arbeit und dem Verdienst des Glaubenden. (S. 106f.)
Um den Unterschied zwischen Heil und Belohnung zu verdeutlichen, zieht Chafer 1Kor 9,18–27 heran:
Der Abschnitt schließt mit einem persönlichen Zeugnis des Apostels: »[…] ich kasteie meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht selbst verwerflich (d.h. mißbilligt) werde.« Mit keinem Wort wird hier in diesem ganzen Abschnitt von unserem Heil gesprochen. Er hat mit der Frage eingesetzt: »Was ist also mein Lohn?« Und von diesem Lohn ist durchwegs die Rede. Am Ende wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, die Mißbilligung des Herrn zu finden. Die Befürchtung besteht nicht darin, am Ende als ungerettet erfunden zu werden. Das stünde ja im Gegensatz zu der unveränderlichen und immer folgerichtigen Lehre des Apostels über die Gründe des Heils. Er zeugt davon, daß es auch ein halbherziges Predigen gebe, das seinen Herrn enttäuschen würde. Er bemüht sich, damit er anerkannt werden möge als ein treuer Diener in dem Dienste, in den er berufen worden war. (S. 108f.)
Am Ende des Kapitels fasst Chafer seine Ausführungen noch einmal zusammen:
Aus alledem mag geschlossen werden, daß wir durch die grenzenlose Gnade Gottes gerettet werden. Seine Haltung uns gegenüber ist immer und alle Zeit die der Liebe. Wir sind der Gegenstand seiner Liebe und Fürsorge. Als Gerettete haben wir das Vorrecht, einzutreten in den Dienst, den er uns in seinem ewigen Plane eingeräumt hat. Doch ist es nicht der Raum, in dem wir ihn für seine Liebe zu entschädigen vermöchten. Es ist unsere von Gott gegebene Gelegenheit, wo wir unserer Liebe zu Ihm Ausdruck geben können zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade. Er aber anerkennt solchen Dienst der Liebe durch das, was es Ihm gefallen hat »Lohn« zu nennen. (S. 110)

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