Freitag, 19. Oktober 2012

Wilkin über »Lampen ohne Öl«

Etwas andere Schwerpunkte als Pickering setzt Bob Wilkin in seiner Kurzrezension von Lampen ohne Öl. Seine Formulierungen klingen teilweise etwas zugespitzt, aber sie verdeutlichen, worauf »Lordship Salvation« in letzter Konsequenz hinausläuft. (Einige Aussagen, in denen er MacArthur Werkgerechtigkeit vorwirft, wurden in der folgenden Übersetzung weggelassen, da die entsprechenden Stellen in der deutschen Ausgabe von Lampen ohne Öl bereits geändert oder abgemildert sind. Das englische Original der Rezension finden Sie hier.)

MacArthurs Buch behandelt vier Hauptthemen: Heilsgewissheit, Glaube, Buße und das Verhältnis zwischen Errettung und Jüngerschaft.

Heilsgewissheit
Auch wenn er es nirgendwo ausdrücklich sagt: MacArthur glaubt nicht an Heilsgewissheit. Seiner Meinung nach kann oder sollte niemand mit Sicherheit wissen, dass er gerettet ist. Es sei für Gläubige gesund (egal wie lange sie schon errettet sind oder zu sein meinen), Zweifel an ihrer Errettung zu haben, solange diese nicht »zur Zwangsvorstellung werden« (S. 213). (Wann genau Zweifel zur Zwangsvorstellung werden, erklärt er nicht.) Zweifel und Sorge über das eigene Seelenheil sieht er als starke – wenn nicht als einzige – Motivation für ein heiliges Leben (z.B. S. 24, 213f.).

Glaube
Der Glaube ist für MacArthur keine objektive Realität, sondern ein subjektiver Nebel. Man kann seiner Ansicht nach alle Tatsachen des Evangeliums glauben und trotzdem unerrettet sein (S. 74, 81)! Glaube, so meint er, beinhalte auch eine völlige Unterwerfung unter Christi Herrschaft über unser Leben (S. 74, 81, 151). Aber kann jemand wirklich von sich sagen, dass er sich in allem vollkommen unterworfen hat? Wenn darin wirklich der Glaube besteht, wie könnte dann jemand sicher wissen, dass er an Christus geglaubt hat? Dieses Verständnis von Glauben lässt keinen Raum für Heilsgewissheit.

Buße
MacArthur definiert Buße als Abkehr von der Sünde (S. 183–185). Um das ewige Heil zu erlangen, müsse man sich von der Sünde abwenden, und zwar dauerhaft (S. 64, 125f., 183–185). MacArthur zufolge müssen wir unser ganzes Leben lang gegen die Sünde ankämpfen, ohne jemals zu wissen, dass wir errettet sind, und immer in der Hoffnung, uns auch von genügend Sünden abzuwenden. Wer darin versagt, war wahrscheinlich nie gerettet (S. 84, 93, 137).

Verhältnis zwischen Errettung und Jüngerschaft
Zentral für MacArthurs Ansichten über diese beiden Themen ist der Gehorsam gegenüber Gottes Geboten. Seiner Meinung nach wird man nicht dadurch gerettet, dass man einfach Gottes Gebot gehorcht, allein auf Christus zu vertrauen, sondern dadurch, dass man allen Geboten Gottes gehorcht (z.B. S. 195–197, 275). Fortschreitende Heiligung sei die unausbleibliche Folge der Rechtfertigung; wenn jemand irgendwann aufhöre, Gott zu gehorchen, beweise er damit, dass er wahrscheinlich gar nicht errettet war (S. 84, 93, 137). Aber wie gut muss man gehorchen, um errettet zu werden? MacArthur gibt zu, dass niemand stets hundertprozentig gehorchen kann, da das Fleisch noch in uns ist, solange wir leben (S. 195). Er sagt jedoch nicht, wie viel Gehorsam notwendig ist (99%? 90%? 80%? 70%? – oder vielleicht passt Gott die Noten dem Durchschnitt an?).

Wir können mit den Aussagen von MacArthurs Buch in keiner Weise übereinstimmen. Allerdings sollten wir nicht nur an die Gnade glauben, sondern sie auch praktisch zeigen, wenn wir mit solchen im Gespräch sind, die irrige Auffassungen über das Evangelium vertreten. Nach Gal 1,6–9 dürfen wir den Dienst solcher, die das Evangelium verfälschen, nicht unterstützen, aber das bedeutet nicht, dass wir streitsüchtig sein sollten. Lasst uns in der Art und Weise, wie wir mit denen und über die reden, die ein falsches Evangelium verkündigen, Liebe und Gnade zeigen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen