Montag, 1. Oktober 2012

Deutschsprachige »Free-Grace«-Literatur

Wie bereits erwähnt, sind auf dem hiesigen Buchmarkt derzeit nur wenige Bücher verfügbar, in denen dezidierte »Free-Grace«-Positionen vertreten werden. Das Standardwerk in deutscher Sprache ist nach wie vor:
Charles C. Ryrie: Hauptsache gerettet? Was Errettung bedeutet. Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 1998. 191 Seiten. ISBN 3-89436-175-1 (vergriffen).
[Rezension der englischen Ausgabe]
Geschrieben als Antwort auf MacArthurs Lampen ohne Öl, erschöpft es sich nicht in einer bloßen Widerlegung der »Lordship Salvation«, sondern bietet eine positive Darstellung zentraler soteriologischer Begriffe wie Gnade, Evangelium, Glaube, Buße, Jüngerschaft, Frucht, Fleischlichkeit, Heilssicherheit und Heilsgewissheit. (Etwas befremdlich wirkt allerdings in einem Buch, das sich klar gegen »Lordship Salvation« ausspricht, der Anhang des Übersetzers Peter Schäfer von Reetnitz [S. 161–169], der die Argumente beider Seiten neutral nebeneinanderstellt und das Urteil dem Leser überlassen will.)

»Free-Grace«-Aussagen finden sich auch in anderen Veröffentlichungen Ryries, insbesondere in
Ausgewogen statt abgehoben. Der Weg zu einem echten geistlichen Leben. Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2007. 296 Seiten. ISBN 978-3-89436-571-4.
[1. Auflage 1994 unter dem Titel: Ausgewogen. Biblische Lehre im praktischen Leben. 201 Seiten.]
Kapitel 17 (»Muss Christus Herr sein, um Retter sein zu können?«, S. 220–237) ist im Grunde eine Kurzfassung des zuerst genannten Buches und war eine der Zielscheiben von MacArthurs Lampen ohne Öl (im englischen Original erschien Ausgewogen bereits 1969). Eine inhaltliche Abschwächung in der ersten deutschen Auflage von Ausgewogen (vgl. MacArthur, Lampen ohne Öl, CLV ²2012, S. 287, Anm. 1) wurde in der aktuellen Neuausgabe (überarbeitet von Joachim Klotz) rückgängig gemacht.

Knapp erörtert wird das Thema ebenso in Ryries
Die Bibel verstehen. Das Handbuch systematischer Theologie für jedermann. Dillenburg/Bielefeld (Christliche Verlagsgesellschaft / CLV) 1996. 603 Seiten. ISBN 3-89436-109-3,
das erstaunlicherweise vom »Lordship«-Verlag CLV mit herausgegeben wurde. Kapitel 58.II.c (S. 381f.) beschäftigt sich explizit mit dem »Irrtum, Hingabe wäre ein Teil des Evangeliums«; weitere »Free-Grace«-Aussagen durchziehen den gesamten soteriologischen Teil des Handbuchs.

Ebenfalls bei der Christlichen Verlagsgesellschaft erschienen zwei Bücher von Erwin W. Lutzer, die, obwohl in der Erwählungslehre calvinistisch geprägt, dem »Free-Grace«-Lager zugerechnet werden können:
Wie kann ich wissen, dass ich in den Himmel komme? Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2010. 173 Seiten. ISBN 978-3-89436-693-3.
[1. Auflage 1997 unter dem Titel: Sicher ins Ziel? Wie kann ich wissen, daß ich in den Himmel komme? 192 Seiten.]


Deine Belohnung in der Ewigkeit. Triumph oder Tränen am Richterstuhl des Christus? Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 1999. 191 Seiten. ISBN 3-89436-205-7 (vergriffen).
Das erste Buch behandelt entgegen seinem Titel nicht nur die Frage der Heilsgewissheit, sondern ist eine evangelistische Gesamtdarstellung des Heilswegs mit »Free-Grace«-Orientierung. Im zweiten Buch sympathisiert der Autor u.a. mit der selbst im »Free-Grace«-Lager nicht unumstrittenen Lehre, die Menschen in der »äußeren Finsternis« (z.B. Mt 25,30) seien wahre Gläubige und nicht ewig verloren (S. 84f.).

Ein weiteres evangelistisches Büchlein, das klar die Gnade Gottes und die Nutzlosigkeit eigener Werke herausstellt, ist
Andy Stanley: Wie gut ist gut genug? Holzgerlingen (Hänssler) 2005. 106 Seiten. ISBN 3-7751-4370-X.
[Rezension der englischen Ausgabe]
Obwohl erst 2005 erschienen und durchaus positiv aufgenommen, ist es – wie die meisten anderen »Free-Grace«-Titel – leider bereits seit längerem vergriffen.

Abschließend seien noch zwei Bücher aus einem Verlag erwähnt, dem man als Nichtcharismatiker normalerweise eher weniger Aufmerksamkeit schenkt (bzw. geschenkt hat – er existiert seit 1998 nicht mehr):
Charles R. Swindoll: Zeit der Gnade. Wiesbaden (Projektion J) 1994. 327 Seiten. ISBN 3-89490-031-8 (vergriffen).
[Rezension der englischen Ausgabe]
Charles F. Stanley: Angst vor der Ewigkeit? Wie sicher ist mir der Himmel? Wiesbaden (Projektion J) 1996. 187 Seiten. ISBN 3-89490-110-1 (vergriffen).
[Rezension der englischen Ausgabe]
Beim erstgenannten Buch handelt es sich um eine umfassende, wenn auch etwas amerikanisch-geschwätzige Darstellung der Gnade Gottes und ihrer Auswirkungen im praktischen Christenleben. Der zweite Titel ist eines der besten mir bekannten Bücher zum Thema Heilsgewissheit mit konsequenter »Free-Grace«-Perspektive. Wenn man es antiquarisch findet: sofort kaufen!

Kommentare:

  1. Wenn man so will, ist die These von der "Verlierbarkeit des Heils" darauf zurück zu führen, dass man das Gesetz auch auf die Erlösung übertragen will.

    Für christliche Verlage gilt leider viel zu oft: mit "Gesetz" ist viel mehr Geld zu machen (der Mensch sehnt sich nach Fast-Food-Lösungen, wie das Gesetz in allen Formen sie bietet). Warum sollte man dann "Freie Gnade"-Titel verlegen und / oder vorrätig halten, die den Kauf anderer Bücher unwahrscheinlicher machen.

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    1. Hm, ich glaube nicht, dass "Freie-Gnade"-Leser zwangsläufig weniger Bücher kaufen ...

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  2. Gute Seite!

    Diese Bücher sind hier sind auch sehr zu empfehlen:

    Wayne Jacobsen: Geliebt
    Bob George: Das Leben ist zu kurz, um die Hauptsache zu verpassen
    Anrew Farley: Gott ohne Religion
    John Crowder: Mystische Einheit

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    1. John Crowder scheint mir ein eher zweifelhafter Geselle zu sein: Angeblich bekehrte er sich nach einer "Erfahrung mit Gott, als er auf einem LSD-Trip war", und sein Buch wird vom extremcharismatischen Wohlkunde-Verlag herausgegeben ...

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  3. @ Rüdiger
    ja manches wirkt befremdlich bei Crowder.
    Aber ich habe besagtes Buch gelesen (!) und fand es im großen und ganzen gut. Es veranschaulicht das vollendete Werk Jesu und es ist hilfreich aus dem christlichen Leistungsdenken herauszukommen. Bei ein paar theologischen Punkten stimme ich mit Crowder zwar nicht überein, aber was besagt das schon? Wer ist unfehlbar in seiner gesamten theologischen Bibelinterpretation?

    Zu seiner Bekehrung kann ich nichts sagen, darüber weiß ich nichts.
    Aber warum sollte Gott einem Menschen nicht im Drogenrausch begegnen? Ich kenne jedenfalls Zeugnisse von Menschen, die ähnliche zu Berichten hatten und zu Jesus fanden.

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  4. Joseph Prince - Revolution der Gnade!!:)

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