Montag, 3. September 2012

Wozu dieser Blog?

Vor kurzem erschien John MacArthurs angeblich »wichtigstes und bahnbrechendstes« Buch Lampen ohne Öl in neuer Auflage. Der Autor wendet sich darin gegen oberflächliche Evangelisationsmethoden à la »Nimm Jesus an«, »Lade Jesus in dein Herz ein«, »Bitte Jesus, in dein Leben zu kommen«, »Triff eine Entscheidung für Jesus« usw., und das durchaus mit Recht. Die Ursache, die er für diese Verkündigungspraxis verantwortlich macht, überrascht dann aber: Es sei der traditionelle Dispensationalismus, der es mit seiner scharfen Unterscheidung z.B. zwischen Gesetz und Gnade, Gemeinde und Israel, Glauben und Buße, Errettung und Jüngerschaft, Rechtfertigung und Heiligung, fleischlichen und geistlichen Gläubigen, Evangelium der Gnade und Evangelium des Reiches usw. »zu weit getrieben« habe und zu »unbiblischen Schlüssen« gelangt sei.

Das Rezept MacArthurs gegen diese Missstände ist unter dem Namen »Lordship Salvation« bekannt geworden. Seiner Meinung nach genügt es nicht, dass ein Sünder sein Vertrauen auf das vollbrachte Erlösungswerk Jesu Christi setzt, sondern er muss zusätzlich noch versprechen, alle Anforderungen der Jüngerschaft zu erfüllen, also »täglich sein Kreuz aufzunehmen«, »alles zu verlassen«, »sich selbst zu verleugnen« usw. Tut er das nicht, kann er nicht errettet werden. MacArthur setzt also Errettung mit Jüngerschaft gleich und beruft sich dabei auf die Verkündigung Jesu in den (synoptischen) Evangelien (im Original heißt sein Buch The Gospel According to Jesus). Aus Sicht des Dispensationalismus ist eine solche Gleichsetzung jedoch nicht legitim – schon allein deshalb nicht, weil das für unsere Zeit gültige Evangelium der Gnade und der Rechtfertigung allein aus Glauben erst nach Jesu Tod und Auferstehung in voller Klarheit verkündigt werden konnte.

MacArthur war nicht der Erste, der »Lordship Salvation« propagierte, aber sein Buch löste bei seinem ersten Erscheinen in den USA 1988 eine bis dahin nicht gekannte Diskussion aus, die bald auch auf andere Länder übergriff und bis heute andauert. Zwei prominente Dispensationalisten, Charles C. Ryrie und Zane C. Hodges, veröffentlichten 1989 ausführliche Antworten auf MacArthur, und es wurden mehrere Organisationen gegründet, die sich für die traditionelle dispensationalistische Heilslehre (»Free Grace Theology«) einsetzen. In Deutschland waren es erstaunlicherweise zwei der Brüderbewegung nahestehende Verlage, die die Debatte in Gang brachten: CLV veröffentlichte 1997 MacArthurs Lampen ohne Öl, CV Dillenburg ein Jahr später die Gegenschrift von Charles Ryrie Hauptsache gerettet? (inzwischen vergriffen). Doch es blieb nicht bei diesen beiden Titeln: Vor allem der »Lordship«-Standpunkt wurde in den folgenden Jahren durch eine ganze Reihe weiterer Publikationen unterstützt (u.a. Arthur W. Pink: Was ist rettender Glaube?; Aiden W. Tozer: Muss man Gott fürchten?; Walter J. Chantry: Evangelium heute; Francis Chan: Mein Leben als Volltreffer). Demgegenüber ist die »Free-Grace«-Sicht auf dem deutschen Buchmarkt derzeit erheblich schwächer vertreten, aber immerhin sind einige Neuerscheinungen in Planung.

In Amerika spielt sich die Diskussion über »Lordship Salvation« und »Free Grace« heute zu einem nicht geringen Teil in der Blogosphäre ab. Ein deutschsprachiger Blog zu diesem Thema ist mir bisher nicht bekannt, deshalb habe ich mich entschlossen, selbst einen solchen zu gründen. Verteidigt werden soll hier das Evangelium der Errettung allein aus Gnade allein durch Glauben ohne weitere Zusätze und Bedingungen – die einfache Botschaft, die schon Paulus und Silas dem Kerkermeister von Philippi verkündigten: »Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden« (Apg 16,31).

Kommentare:

  1. Jak 2:14 Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn der Glaube retten?

    Jak 2:17 So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.

    Jak 2:19 Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben es - und zittern!
    Jak 2:20 Willst du aber erkennen, du nichtiger Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist?
    Jak 2:21 Wurde nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar darbrachte?
    Jak 2:22 Siehst du, dass der Glaube zusammen mit seinen Werken wirksam war, und dass der Glaube durch die Werke vollkommen wurde?
    Jak 2:23 Und so erfüllte sich die Schrift, die spricht: "Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet", und er wurde ein Freund Gottes genannt.
    Jak 2:24 So seht. ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein.

    dies ist nur ein kurzer Auszug der Bibel....
    ...geht es noch deutlicher?

    Nette Grüße
    Exodus II

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  2. Mit Jak 2 hat sich natürlich auch die Free-Grace-Theologie intensiv befasst – dazu soll es in absehbarer Zeit hier ebenfalls einen Blogeintrag geben. Vorab verweise ich schon mal auf Zane Hodges' Abhandlung “Dead Faith – What is it?”.

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