Sonntag, 30. September 2012

»Lordship Salvation« und »Free Grace« in acht Punkten

Der amerikanische Pastor Arch Rutherford fasst die Hauptunterschiede zwischen »Free Grace« und »Lordship Salvation« in folgenden acht Punkten zusammen (frei wiedergegeben nach einer überarbeiteten Version von Fred Chay):


1. Glaube


Free Grace: In dem Moment, in dem wir an Jesus Christus als unseren persönlichen Retter und Herrn glauben, empfangen wir ewiges Leben. (»Herr« bedeutet, dass er der Sohn Gottes ist und damit auch unser »Retter« sein kann.) Glaube ist die einfache und unkomplizierte Antwort auf die Wahrheit, die Gott über seinen Sohn Jesus Christus und über das Geschenk der Erlösung offenbart hat. Wenn Jesus sagt: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben« (Joh 6,47), bedeutet »glauben«, überzeugt und versichert zu sein, dass das, was er sagt, wahr ist (siehe Joh 1,11–13).

Lordship Salvation: Glaube ist die umfassende Bereitschaft von Geist, Herz und Willen, Jesus Christus als Jünger nachzufolgen, d.h. ihm alles zu übergeben, was wir haben und sind. (Dieses Verständnis von Glauben führt dazu, dass viele »Lordship«-Anhänger Probleme mit der Errettung von Kindern haben, da diese in der Regel noch keine Entscheidung zur Jüngerschaft treffen können.)


2. Jüngerschaft


Free Grace: Es besteht ein Unterschied zwischen dem »Ruf zum Glauben« an Jesus Christus als unseren persönlichen Retter und dem »Ruf zur Jüngerschaft/Nachfolge«. (Vgl. in Joh 4 das, wozu Jesus die Frau auffordert [V. 10], mit dem, wozu er die Jünger auffordert [V. 31–38].)

Lordship Salvation: Glaube und Jüngerschaft sind zwei Seiten derselben Medaille. Glaube beinhaltet, Jesu Jünger zu werden und ihm nachzufolgen.


3. Heilsgewissheit


Free Grace: Wir können wissen, dass wir ewiges Leben haben und in den Himmel kommen, weil das Heilsangebot selbst diese Zusage enthält (Joh 3,16; 5,24; 6,47). Grundlage unserer Heilsgewissheit ist das Wort Gottes.

Lordship Salvation: Wir können bis zu unserem Tod nie völlig sicher sein, ob wir in den Himmel kommen, denn es besteht die Möglichkeit, dass wir abfallen und damit beweisen, dass wir nie wirkliche Gläubige waren. Ein wenig Zuversicht können wir jedoch gewinnen, wenn wir den Heiligen Geist in unserem Leben gute Werke hervorbringen sehen. Grundlage unserer Heilsgewissheit ist die Veränderung in unserem Leben. (Wer die Gewissheit des eigenen Heils auf seinen Lebenswandel gründet, ist gewöhnlich auch schnell bei der Hand, die Echtheit der Bekehrung anderer nach demselben Kriterium zu beurteilen.)


4. Abfall


Free Grace: Wahre Christen können abfallen, in schlimme Sünde geraten und völlig versagen. (Das Neue Testament enthält viele Warnungen an Christen.) Es ist sogar denkbar, dass Christen die Wahrheit dauerhaft aufgeben, sich dem Wirken des Geistes Gottes in ihrem Leben verschließen und den Herrn letztlich verleugnen. Gott jedoch verlässt seine Kinder nicht, sondern züchtigt sie geduldig (1Kor 10,30–32; Hebr 6,1–12; 12,4–11). Selbst »wenn wir untreu sind – er bleibt treu« (2Tim 2,13), und wir werden ins ewige Leben eingehen.

Lordship Salvation: Wenn ein sogenannter Christ in Sünde fällt, darin bleibt und nicht bald wieder zum Herrn zurückkehrt, ist er kein wirklicher Christ, sondern nur ein Bekenner und geht verloren. Wahre Christen bleiben im Glauben. (Diese Lehre hat eine niederdrückende Wirkung auf die Heilsgewissheit des Gläubigen. Es ist, als ob Gott sagen würde: »Wenn du wissen willst, dass du mein Kind bist, verhalte dich konsequent wie mein Kind!«)


5. Warnungen


Free Grace: Die ernsten Warnungen und Mahnungen im Neuen Testament (von Jesus, Paulus, dem Autor des Hebräerbriefs, Jakobus und Petrus) ermuntern Christen dazu, im Glauben zu bleiben und in Treue gute Werke zu tun. Das Nichtbeachten dieser Warnungen und Mahnungen und das bewusste Bleiben in der Sünde hat zur Folge, dass Gott seine Kinder züchtigt, wie diese bald feststellen werden. Ein wachsender Christ dagegen hat Freude daran, das zu tun, was der Vater möchte, weil er weiß, dass der Vater seine Kinder gerne reichlich belohnt (Mt 5,1–15; 1Kor 3,10–15; Hebr 10,32ff.).

Lordship Salvation: Die ernsten Warnungen und Mahnungen im Neuen Testament sind ein Prüfstein, den sogenannte Christen auf ihr Leben anwenden sollten, um zu sehen, ob sie wirklich wahre Christen sind oder nur Bekenner, die sich etwas vormachen und letztlich verloren gehen.


6. Belohnung


Free Grace: Wenn wir in guten Werken bleiben, gefallen wir dem Herrn und werden belohnt (Mt 5,1–12; 1Kor 3,11–15; 2Kor 5,9–11). Neben »Siegeskränzen« der Anerkennung und Wertschätzung wird die Belohnung auch das »Herrschen mit Christus« und das »Erben des Reiches« beinhalten.

Lordship Salvation: Im Himmel wird es keine »Hierarchie« geben. Welche Belohnung wir auch immer bekommen werden, sie wird nur für einen Augenblick sein und dann zu den Füßen Jesu niedergeworfen werden. Die primäre Motivation dafür, gute Werke zu tun – abgesehen davon, dass sie unsere Errettung bestätigen –, ist Dankbarkeit gegenüber Gott für das, was er getan hat. Etwas mit Blick auf die Belohnung zu tun wäre selbstsüchtig und egoistisch. (Tatsächlich jedoch erfreuen wir Gott, wenn wir uns nach dem ausstrecken, was er im Himmel für uns bereitgelegt hat.)


7. Erbe


Free Grace: Es gibt einen Unterschied zwischen dem »Eingehen« ins Reich Gottes und dem »Erben« des Reiches. Beide Ausdrücke sind wörtlich zu verstehen. Voraussetzung für das Eingehen ins Reich ist der einfache und unkomplizierte Glaube an Jesus Christus als unseren Retter. Voraussetzung für das Erben oder Besitzen des Reiches ist es, ein treuer Diener Christi gewesen zu sein, Widrigkeiten erduldet zu haben und in guten Werken geblieben zu sein. Solche Gläubigen sind »Miterben Christi«: Sie werden »mit Christus herrschen«, indem ihnen Autorität und Macht gegeben wird, an der Verwaltung, Führung und Regierung seines Reiches teilzuhaben (siehe Röm 8,17; 2Tim 2,11–13; Offb 2–3; 20–22). Während das Erbe des ewigen Lebens allen Gläubigen passiv aufgrund ihrer Stellung gegeben wird, ist das Erbe des Reiches aktiv an die Bedingung von Werken geknüpft (Eph 1 und 5; Kol 1 und 3; Röm 8,17).

Lordship Salvation: Es gibt keinen Unterschied zwischen dem »Eingehen« ins Reich Gottes und dem »Erben« des Reiches. Die beiden Ausdrücke meinen denselben Sachverhalt, nämlich in den Himmel zu kommen.


8. Leben


Free-Grace-Vertreter neigen dazu, die Gnade auch im täglichen Leben zu betonen. Gottes Gnade überwältigt und motiviert sie, und sie wollen auch in ihrem Lebenswandel Gnade zum Ausdruck bringen.

Lordship-Salvation-Vertreter neigen dazu, im täglichen Leben die Werke zu betonen. Die Notwendigkeit, gute Werke zu tun, um damit ihre Errettung zu beweisen, überwältigt und motiviert sie. (Das führt oft zu Gesetzlichkeit und einem Mangel an Güte in ihrem Leben und in ihren Gemeinden.)

Kommentare:

  1. Danke für die Gegenüberstellung!

    Erhellend finde ich die Unterscheidung zwischen »Eingehen« ins Reich Gottes und dem »Erben« des Reiches.

    Zu den Warnungen sei bemerkt, dass die Warnung "Ihr seid aus der Gnade gefallen" aus dem Galaterbrief sich NICHT auf Sündigen, sondern auf das Befolgen des Gesetzes und das Tun "guter" (aber toter) Gesetzeswerke bezieht.

    In Bezug auf das Sündigen wird uns nie gesagt, dass wir dadurch aus der Gnade fallen. Die Lordship-Salvation-Vertreter aller Richtungen erwecken aber den Eindruck, dass sei so.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke ebenfalls für die gute Ausarbeitung!

      Bin weder ein Anhänger der "free-grace Lehre" noch der "lordship-salvation Lehre" sondern Gott sei dank ein Nachfolger des Sohnes Gottes, ohne religiöses Bekenntnis, Kirche, Gemeinde oder Sekte.

      @Anonym: Bezüglich Galaterbrief stimme ich Dir zu - Werke des Gesetzes kann NIEMALS einen Menschen gerechtfertigen denn JEDER Mensch hat in seinem Leben gesündigt und sündigt noch. - Da man eine Sünde nicht ungeschehen machen kann (da es keine Zeitmaschinen gibt ;-)) ist das ewige Leben für jeden Menschen ein GnadenGESCHENK Gottes!
      Aber weil er uns das ewige Leben schenken will heißt das noch lange nicht das ich nun tun und lassen kann was ich will, das ich ein egoistisches, sündhaftes Leben führe und alles ablehne was Gott oder Gottesdienst heißt. So gut es möglich ist halte ich mich von jedweder christlichen Lehrmeinung fern und studiere das Wort Gottes somit ohne vorgefärbte Brille. Einen ungetrübten Blick durch diese Brille will ich hier abschließend jeden auf die Bibel werfen lassen indem ich 2 Bibelverse unkommentiert für sich selbst sprechen lasse. Beide Verse sind nicht aus dem Kontext gezogen und ich bitte dich das Du Dir auch den Kontext der beiden Verse näher und ohne vorgefasste Christliche Doktrine unter Gebet mal ansiehst:
      1Jo 2:4 Wer sagt: "Ich habe ihn erkannt", und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht;

      Jak 2:24 So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein.

      Der Friede unseres heiligen Vaters und seines kostbaren Sohnes sei mit Dir!
      Exodus II

      Löschen
  2. @ Exodus II: Dass wir tun und lassen können, was wir wollen, dass wir »ein egoistisches, sündhaftes Leben führe[n] und alles ablehne[n]« können, »was Gott oder Gottesdienst heißt«, lehrt auch die Free-Grace-Theologie nicht. Warum sollte das die Konsequenz aus der Überzeugung sein, dass unser ewiges Schicksal nicht von unserem Lebenswandel abhängt? Kann uns wirklich nur die Angst vor der ewigen Verdammnis zu einem heiligen Leben motivieren?

    Was das Lesen ohne »vorgefärbte Brille« betrifft, so gebe ich zu bedenken, dass die landläufige, scheinbar unvoreingenommene Lektüre von Jak 2 unweigerlich zu einem Widerspruch zwischen Jakobus und Paulus führt. Wenn Jakobus mit »Werken« und »Rechtfertigung« wirklich genau dasselbe meint wie Paulus, sind die beiden Standpunkte nicht miteinander zu vereinbaren, so sehr das auch oft versucht wird (in der Regel durch Abschwächung der paulinischen Aussagen). Wer an die Einheit und Widerspruchsfreiheit der Schrift glaubt, muss nach einer anderen Lösung suchen, und diese findet sich in der Absicht und im Sprachgebrauch des Jakobusbriefes. Dazu später mehr.

    AntwortenLöschen